5 Monate Knopfauge – eine Liebesgeschichte

5 Monate Knopfauge – eine Liebesgeschichte

„Man sollte immer einige Tage warten, bevor man sich bei einer neuen Eroberung meldet“, sagen die sogenannten Beziehungsexperten. Nur nicht überrumpeln, nur nichts übereilen.
Gerade habe ich die Nummer von einem echt tollen Typen bekommen. Ich steige ins Taxi. Und ich wähle seine Nummer. Seit wir uns verabschiedet haben, sind etwa zwei Minuten vergangen.

In just diesem Moment höre ich sie noch, die Flirt-Coaches und Paartherapeuten, wie sie bleich vor Entsetzen ihre Hände über dem Kopf zusammenschlagen und vor lauter Frust ein paar Seiten ihrer Beziehungsratgeber-Bücher fressen. Schlaumeier-Phrasen wie „Um Gottes Willen, das ist viel zu schnell“, „Genau so verschreckt man sein Gegenüber“ und „Der fühlt sich jetzt bestimmt total überfahren“ hallen leise durch meine Gehirnwindungen. Ich lege trotzdem nicht auf. Es klingelt. Und ich wünsche mir nichts mehr, als dass er abhebt. Es ist übrigens zwei Uhr nachts. Und bestimmt denkt er, ich wäre eine Irre.

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Der Abend hatte eigentlich alles andere als verheißungsvoll begonnen. Ich war zu einer Veranstaltung im Münchner Hard Rock Café eingeladen und gebe zu, nicht den Hauch einer Motivation verspürt zu haben, dort hin zu gehen. Einzig und allein die Aussicht auf ein paar Free Drinks und meine Freundin Carmen ließen mich gegen 19 Uhr nun doch dort aufschlagen. Ein paar Wochen zuvor hatte ich mich wider besseren Wissens auf Bayerns größten Vollpfosten und jämmerlichsten Soziopathen eingelassen, hatte die Schnauze gestrichen voll von Männern und wollte mir beim Konzert der LaBrassBanda mit ein paar Cuba Libres lediglich ein wenig heiß ersehnte Vergessenheit antrinken. Dass ich vor Ort auch noch von einem Kollegen zum Interviews-Führen und Arbeiten genötigt wurde, setzte dem Ganzen das i-Tüpfelchen auf und ließ meine Synapsen nach noch mehr Cuba Libre lechzen.

„Zwei Drinks, und dann gehen wir wieder“, manifestierte es sich in meinem Kopf, als wir nach getaner Arbeit das Hard Rock Cafe betraten.

…und dann hat es ZOOM gemacht.

Da war er, dieser Blick, der mich trotz meines inneren Schwurs, nicht mehr auf Dackelblickaugen hereinzufallen, sämtliche meiner Vorsätze vergessen ließ. Zu meiner Verteidigung sei gesagt: es waren gar keine Dackelblickaugen. Es waren Knopfaugen. Und gefühlt eine einzige lebensverändernde Sekunde.

Und als wären die vergangenen Wochen und Monate nicht gewesen, schippte mein Unterbewusstsein mit einem Betonlader sämtliche „guten“ Vorsätze des Männerlosbleibens und „Ich kaufe mir jetzt 12 Katzen und bleibe alleine“ über Bord, setzte alle Segel auf volle Fahrt und verwandelte mich binnen Sekunden in diese 12jährige Susi, die sich einst vor blumenbehangener, romantischer Gedanken kaum retten konnte.

Der Kellner reichte mir einen Cuba Libre, mein Gehirn verpulverte indessen Gefühlskonfetti als wäre ich auf einem endlos kitschigen Konzert und meine Freundin hielt auf Zehenspitzen Ausschau nach eben jenem Mann, der mir innerhalb einer Sekunde Schnappatmung verpasst hatte.

Nach zwei Drinks waren wir übrigens immer noch dort. Nach vier auch. Und erspäht hatten wir das Knopfauge am anderen Ende des Hard Rock Cafes.
Ein Glück, dass vier Cuba Libre auch irgendwann wieder das Tageslicht sehen wollen – und so konnten/mussten wir eben jenes „andere Ende“ des Ladens aufsuchen. Beim Rückweg von der Toilette drückte mir der Kellner einen weiteren Cuba Libre in die Hand, und das Knopfauge stand plötzlich vor mir. „Der Blick vorhin hat mich umgehauen“, sagte er. Zack. Einfach grad raus. Genau so etwas mag ich.
„Geht mir nicht anders“, erwiderte ich, und das Knopfauge und ich blieben den ganzen Abend nebeneinander stehen und unterhielten uns.

Alles, was er sagte, gefiel mir. Alles an ihm gefiel mir. Ich mochte sein Lachen, seine Grübchen in den Wangen, seine Stimme, den Salzburger Dialekt, seine großen Hände … und eben seine Knopfaugen. Es war, als würde ich diesen Menschen schon ewig kennen. Er hatten den gleichen Humor wie ich, er erzählte mir von seiner Begeisterung für Musik und er schwärmte von seiner Familie. Dass er mir den ganzen Abend nicht mehr von der Seite wich, war nicht nur okay, sondern bestens.

Beim Verlassen des Hard Rock Cafes nahm er mich an der Hand. Und ich fühlte mich geborgen. Mit seiner Handynummer stieg ich ins Taxi. Und wählte, vom Übermut zum von Beziehungsratgebern sogenannten Kennenlernkiller getrieben, seine Nummer. Warten ist einfach nicht meine Stärke. Und das ZOOM von vorhin hatte sich mittlerweile zu einem mittelschweren Gefühls-Tsunami ausgeweitet. Ihr kennt das. Einem Tsunami kann man nunmal nicht ausweichen.

…und übrigens: er nahm den Anruf entgegen.

Wir telefonierten noch in der Nacht weitere zwei Stunden. Zwei Tage später hatten wir unsere erstes richtiges Date.
Seitdem sind fünf Monate vergangen. Fünf Monate, in denen wir uns lediglich ein paar Nächte nicht gesehen haben. Fünf Monate, in denen wir jetzt mittlerweile zusammen leben. Fünf Monate, in denen ich bereits seine Familie kennengelernt habe – und da hatte er an unserem Kennenlernabend nicht übertrieben, die sind wirklich sensationell. Fünf Monate, in denen ich nicht hätte glücklicher sein können. Fünf Monate, in denen ich meinen Seelenverwandten jeden Tag noch mehr kennen und lieben gelernt habe. Fünf Monate, die gerne fünf Jahrhunderte werden können.

 

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