„Wenn es bei mir brennt, dann rette ich meinen Reiskocher“

„Wenn es bei mir brennt, dann rette ich meinen Reiskocher“

Mrz 30, 2015

„Wenn es bei mir brennt, dann rette ich meinen Reiskocher“ – für diesen Satz bin ich nahezu weltbekannt; ich warte nur drauf, dass irgendwann im Internet Zitat-Bildchen von mir mit diesem Satz kursieren. In etwa solche Bilder wie dieses hier:

Bild von: http://www.zitatleben.com/zitat-john-lennon-leben/

Bild von: http://www.zitatleben.com/zitat-john-lennon-leben/

Mein Reiskocher war mein mir liebstes Gut. Dieser wohlgeformte, beschichtete, runde Topf des puren Glücks (in meinen Vorstellungen steht am Ende des Regenbogens übrigens kein Topf mit Gold, sondern ein – ratet mal – Reiskocher) war alles für mich.
Kurz möchte ich Euch erzählen, wie der Reiskocher seinen Weg in mein Leben fand: meine Nachbarin und gute Freundin ist Perserin. Die Frau kocht so gut, dass ich bei ihr zu einer ekelhaft in mich hineinschlingenden Fresserin werde; manchmal erwischte ich mich dabei, wie ich stundenlang vor ihrer Haustüre hin und her schlich, an der Tür kratzte und dabei im ganzen Hausgang Sabberspuren hinterließ, wenn mich der Geruch ihrer Köstlichkeiten aus meiner Wohnung lockte. Aufgrund meiner Glutenunverträglichkeit kann ich kein Brot, keine Nudeln und halt eben nichts mit Weizen, Roggen, Gerste etc. drin essen – Reis ist also seit langem ein wichtiger Bestandteil meiner Ernährung. Bei der Nachbarin lernte ich: Reis kann nicht nur nahrhaft, sondern eben Synapsen-vernichtend köstlich sein. Ich bestreite natürlich vehement, dass mein aufdringliches Essverhalten, meine unsägliche Gier und die wimmernden Geräusche vor der Haustüre Grund dafür waren, mir meinen ganz eigenen Reiskocher zu schenken. Hin oder her: ich hatte ihn endlich, den Reiskocher, den Schlüssel zum Glück, den heiligen Gral der Kochkunst! Und ich brutzelte Reis bis zum Abwinken.

Und dann geschah es – das Unsagbare, Unfassbare, Welterschütternde und mir den Boden unter den Füßen Raubende: der Reiskocher ging kaputt. Er verabschiedete sich still und heimlich, sang- und klanglos in die ewigen Reiskochjagdgründe. Dies passierte ohne jegliche Fremdeinwirkung (diesen Satz muss ich jetzt hier reinschreiben, während ich an meinen Freund denke, der plötzlich gaaaaanz still – wie zu einer Salzsäule erstarrt – neben dem Reiskocher stand, den unschuldigsten aller Dackelblicke aufgesetzt hatte und „Ich habe nichts gemacht“ stammelte – stellt Euch den Anblick eines Menschen vor, der „gaaaanz aus Versehen“ Euer Meerschweinchen umgebracht hat, die Tatwaffe noch in der Hand hat, aber mit großen, unschuldigen Augen erstmal ein „Uuuups!“ und dann ein „Ja, also ich war das jetzt aber nicht“ herauspresst. Genauso unschuldig war natürlich mein Freund. Klar).

Von da an ging mein Leben steil bergab. Warum sollte ich morgens noch aufstehen? Warum sollte ich weiterleben? Was gab es noch für einen Sinn in meinem Leben? Mein Freund bohrte tagelang total hilfsbereit – und obwohl er ja „niiiiichts gemacht“ hatte – mit einer Zange im Reiskocher herum, versuchte mir neuartige Methoden des Reiskochens anzupreisen … aber ihr wisst ja selbst wie das ist: wenn das Meerschweinchen mal tot ist, dann kann man daran herumbasteln so viel man will – es ist hin. Meine Depression führte soweit, dass ich sinnlos Schokolade in mich hineinstopfte, mich an Spezi schwindelig trank und manchmal, wenn ich durch die Küche schlich, kurz weinte.

Unsicher, wie unerträglich ich nach diesem jähen Verlust war, möchte ich nun eine Belobhudelung der besonderen Art anbringen: diese Huldigung geht an Tanja, eine meiner besten Freundinnen, die diesem Schauspiel des Grauens, diesem Anblick unsäglicher Traurigkeit und meinem suizidalen Verhalten ein Ende bereitet hat. Denn: sie hat mir einen neuen Reiskocher geschenkt! Dieser neue Reiskocher ist noch viel neuer, mit viel mehr Zusatz-Zeugs, mit einer Reis-Rausschaufel-Schaufel und einer Beschreibung in DEUTSCH! Außerdem ist er größer, was bedeutet, dass ich nun UNMENGEN von Reis produzieren kann – und das in einem einzigen Kochprozess. Ich kann da drin außerdem meinen ganzen Kram garen – ach, was rede ich: der Reiskocher ist grandios und ganz toll und ich hätte ihn heute Nacht am liebsten mit ins Bett genommen.
Heute morgen haben der Reiskocher und ich gleich mal ein Selfie geschossen. Ich hab so ein Zitat-Bild draus gebaut. Werde die nächsten Tage mal googlen, WIE weit sich das dann schon verbreitet hat. In der Zwischenzeit mache ich Reis.