Glutenfreie Wiesn – Tipps für Zöliakiebetroffene

Glutenfreie Wiesn – Tipps für Zöliakiebetroffene

Sep 22, 2014


Oktoberfest – und Du darfst kein Bier trinken? Das klingt erst einmal nach Horror. Wer einmal versucht hat, die Wiesn nüchtern durchzustehen, schwört sich: einmal und nie wieder. Aber es gibt Alternativen zu Bier, Schweinebraten und Co.

Trinken ohne Gluten

Wer die Möglichkeit (also keine Einladung oder Reservierung) hat, kann sich seinen Aufenthaltsort auf der Wiesn bereits im Voraus so auswählen, dass er in punkto Getränkeauswahl nicht in die Bredouille kommt. Denn einige Zelte bieten leider nach wie vor nur Bier oder alkoholfreie Getränke an. Die erste Stunde neben Bier-konsumierenden Menschen, während man selbst tapfer an einer Cola nuckelt, ist aushaltbar. Die Stunden danach werden mit ansteigendem Alkoholpegel unseres Umfelds jedoch immer mehr zu Belastungsprobe.
In vielen Zelten stehen aber mittlerweile neben Bier auch Wein, Weinschorle und sogar Cocktails und Stamperl auf der regulären Speisekarte. 
Mein Weinschorle bekomme ich grundsätzlich immer im Käfer, beim Fisch-Bäda (nebenbei erwähnt gibt es hier außerdem auch vegane und vegetarische Menüs), im Augustiner und seit diesem Jahr auch im neuen Marstall-Zelt.
In den großen Zelten wie dem Augustiner muss man mit etwas längeren Wartezeiten rechnen, wenn man einen Krug Weinschorle bestellt (die Theke für den Weinausschank ist nämlich grundsätzlich irgendwie immer am genau anderen Ende des Bierzelts). Eine schnelle (wenn auch wenig vernünftige) Alternative, um mit dem biertrinkenden Pöbel mitzuhalten, ist es, sich binnen Minuten einfach ein paar Schnäpse hinter die Binde zu kippen. Für eine derartige Druckbetankung bieten sich auch die Schnaps- und Cocktailstände in der Schaustellerstraße an – eine Fahrt im Schnapskarussell ist bei einem Wiesn-Besuch ja auch Pflicht. In der Schützenfesthalle gibt es außerdem eine Bar mit Skihütten-Atmosphäre – hier kann man gängige Drinks wie „Wodka Red Bull“ bestellen. Ich hatte bisher nie Probleme, an der Bar zu erklären, warum ich eine Sondergenehmigung brauche, um meinen Drink von der Bar an meinen Biertisch im Zelt zu bringen. Ein kurzes Gespräch mit dem zuständigen Kellner und der lieben Bitte, aufgrund der vorliegenden Zöliakie-Erkrankung ein Auge zuzudrücken, später sitzt man mindestens genauso feucht-fröhlich-alkoholdebil grinsend im Zelt wie alle anderen auch. 
Aber selbst in Zelten, die keine Alternativen zum Bier anbieten, kann man mit der Bitte um Erlaubnis entweder sein eigenes oder ein vor dem Zelt erworbenes Getränk mitbringen – wie gesagt, eine kurze Rücksprache mit dem Kellner und der Zeltleitung sollte jedoch gehalten werden, um Probleme zu vermeiden. 
Die kleinen Bierzelte und Café-Zelte bieten in der Regel auch Cocktails und andere Drinks an – auf einen Bayern-Cocktail zum Beispiel kehre ich immer wieder gerne in Bodo’s Café-Zelt ein.

Und jetzt – bitte alle Paragraphenreiter nicht weiterlesen – gebe ich auch noch zu: manchmal habe ich meinen Flachmann mit einem Schluckerl Schnaps dabei… nur erwischen lassen sollte man sich dabei nicht – das Mitbringen von Getränken ist auf dem Wiesngelände nämlich verboten.

Und dann sei noch gesagt, um meinem Auftrag als Sitten- und Moralwächter nachzukommen: trinken macht doof. Bleiben wir also alle lieber einfach zuhause.

Essen ohne Gluten

Die Nahrungsaufnahme gestaltet sich mit einer Glutenunverträglichkeit schon ein wenig schwieriger. Deswegen habe ich grundsätzlich ein paar Scheiben Brot in meiner Handtasche. Sicher ist sicher. Auf www.oktoberfest.de gibt es folgenden nützlichen Hinweis: „… glutenfreie Fischsemmeln gibt es an Monika Filsers Feinkoststandl in der Matthias-Pschorr-Straße“. Gut zu wissen, wenn man sein Brot in der Eile dann doch einmal zuhause vergessen hat! Laut Berichten soll es dort zudem auch glutenfreie Brezen geben.
Bei Schweinebraten ist Vorsicht geboten: die dazugehörige Sauce wird meist aus Dunkelbier hergestellt, die Kartoffelknödel sind meist mit Brotwürfeln gefüllt. Eine Nachfrage beim Kellner macht also wirklich Sinn, bevor man sich eine große Portion Knödel bestellt – und selbst nicht gefüllte Knödel werden in den meisten Küchen mit Semmelbröseln bestreut! Auch bei den Hendln muss man aufpassen – damit die Haut schön knusprig und würzig wird, übergießen die meisten Köche die Hendl mit Bier … auch hier sollten man sich vorher nochmal absichern. Die Hendl im Augustiner- sowie im Hacker-Zelt sind aber glutenfrei, der Schweinebraten vom Augustiner-Zelt auch: die Soße wird hier mit Mondamin angedickt.
Leckere Salate bieten mittlerweile die meisten Zelte an – Vorsicht hier nur beim Dressing, dieses könnte Stärke enthalten. Außerdem ist so ein Salat nicht unbedingt die beste Grundlage für einen alkoholintensiven Abend.
Ich genehmige mir gerne eine Portion Raclette-Käse mit meinem mitgebrachten Brot – Käse-Teller, Pommes, Obazdn (Vorsicht, manche mischen in den Obazdn Bier mit hinein!) und kleine Snacks wie Bratwürstel gibt es an fast jeden Stand auf dem Oktoberfest. Ich habe mir am Samstag eine Bratwurst gegönnt – bekam diese auch ohne Brot, aber so ungünstig in ein Papier gewickelt, dass ich danach mehr Senf (der auf Nachfrage glutenfrei war) auf dem Dirndl als im Mund hatte. Sehr zu empfehlen ist der Fisch-Bäda am Familienplatzl, der neben Fleischgerichten (ohne Sauce aber mit Salatbeilage) auch viele Fischgerichte anbietet. Ich habe mir dort den Tintenfisch-Teller gegönnt und bin immer noch begeistert! Im Marstall gab es ein leckeres Brotzeitbrett mit Radi, Radieschen, Käse und Schinken (die Fleischpflanzerl habe ich stehen gelassen, da sie in Bayern ja grundsätzlich mit Semmeln gemacht werden) und danach einen gemischten Fleischteller, der mir auf Nachfrage anstandslos mit Kartoffel- anstelle von Semmelknödeln serviert wurde.

 

Mein Fazit: offen nachfragen, mit Kellnern, Security-Leuten (beim etwaigen Versuch, ein Getränk von außerhalb mit ins Zelt zu nehmen) und Wirtsleuten reden und trotz allem immer ein Stück Brot dabei haben – dann verhungert man auch mit einer Gluten-Unverträglichkeit auf der Wiesn nicht.

Habt ihr Erfahrungen auf der Wiesn gemacht? Habt ihr noch weitere Tipps? Ich denke, eine Sammlung an Hinweisen und Tipps ist für alle Betroffenen hilfreich – schreibt mir einfach eine Mail oder kommentiert hier unter dem Artikel.